Presseinformation der Bürgerinitiative MHNV vom 21.10.2013

Die Bürgerinitiative MHNV hat mit Enttäuschung zur Kenntnis genommen, dass der Rethmann-SARIA-Konzern nach der Genehmigung zum Bau einer zweiten
Verarbeitungslinie von Schlachtabfällen in Marl Frentrop eine Informationsveranstaltung für die Marler Bürger ablehnt. Dietmar Müller-Bonner von der Anwohnerinitiative: „Wir hatten das Unternehmen direkt nach Veröffentlichung des Genehmigungsbescheids darum gebeten, weil viele Betroffene aus erster Hand wissen wollen, was jetzt genau passiert, wann es los geht und wie wir Bürger gegen Lärm und zunehmenden Verkehr geschützt werden sollen.“

Der Bürgerinitiative gegenüber hatte der SARIA -Pressesprecher Marcel Derichs eine Informationsveranstaltung aus zeitlichen und finanziellen Gründen abgelehnt und erklärt, SARIA habe im Vorfeld genug informiert.

„ALS MHNV WERDEN WIR UNS WEITERHIN FÜR AUFKLÄRUNG UND DEN
ERHALT DER LEBENSQUALITÄT IN MARL EINSETZEN!“

Doch das bezweifelt die Bürgerinitiative. Ralf Neumann: „Viele Menschen sind verunsichert und glauben, dass SARIA bereits die umstrittene Erweiterung in der Größe von zehn Fußballfeldern im Naherholungsgebiet vor dem Riegefeld durchgesetzt hat. Aber das hat mit der jetzt erteilten Genehmigung noch nichts zu tun. Darum werden wir uns auch weiterhin für Aufklärung und den Erhalt der Lebensqualität vor unserer Haustür einsetzen.“

Von verunsicherten Anrufern hatte auch Stadtplaner Georg Reynoss im Stadtplanungsausschuss berichtet. Ihn hätten irritierte Bürger angerufen, die nicht zwischen der Erweiterung auf dem bestehenden Betriebsgelände und der geplanten Erweiterung im Landschaftsschutzgebiet hätten unterscheiden können, erklärte er im SARIA-Sachstandsbericht.

BÜRGERMEISTER: „SARIA WILL SCHEINBAR NICHT INFORMIEREN.“

Darauf hatte in der Sitzung ein Vertreter der Bürgerinitiative direkt Bürgermeister Werner Arndt gebeten vermittelnd auf das Unternehmen einzuwirken bzw. eine eigenständige und unabhängige Informationsveranstaltung im Rathaus zu ermöglichen. Das hatte der Bürgermeister abgelehnt mit dem Hinweis, es sei die Aufgabe der Firma SARIA, „und die wolle offensichtlich keine Informationsveranstaltung.“

SARIA hatte der Bürgerinitiative per EMail mitgeteilt, man werde weitere Informationen über die Erweiterung der Knochen- und Fettunion (KFU) über die Presse mitteilen. Ludger Vortmann von der Bürgerinitiative: „Wir halten es für schade und falsch, dass das Unternehmen nicht mit der Marler Öffentlichkeit direkt sprechen möchte. Dabei war unser letztes Treffen mit SARIA-Verantwortlichen am Standort ein gutes, offenes Gespräch. Ich hatte das Gefühl, dass das Eis taut. Wir haben den Geschäftsführer der Knochen- und Fettunion und den SARIA-Pressesprecher bei dem Treffen auch persönlich zu unserem offenen Infostammtisch eingeladen, was damals sehr positiv aufgenommen wurde. Doch bis heute ist dieses Angebot leider noch nicht genutzt worden.“

„FRENTROPER MAUERBAU“ IST SYMBOL FÜR FALSCHE POLITIK

Der bisherige Umgang mit Anwohnerbeschwerden seitens der Behörden wurde der Bürgerinitiative von Anwohnern als teilweise „hochnäsig“, „unverschämt“ und „unverantwortlich“ geschildert. So wurden z.B. über Monate die Lärmbeschwerden von Bürgern als haltlos abgetan, Anwohner, die Missstände meldeten, von Politikern zum Teil sogar öffentlich als Nörgler- und Querulanten diffamiert.
Nach Ansicht von MHNV würden diese Entscheidungsträger jetzt von der Realität eingeholt, da sich in Frentrop durch den Bau einer vier Meter hohen Lärmschutzwand zeige, dass der zusätzlich befürchtete Lärm anders nicht mehr in den Griff zu bekommen sei. „Für uns ist der „Frentroper Mauerbau“ ein Symbol für falsche Politik. Immer mehr Bürger erkennen zunächst noch still, dass hier eine Politik betrieben wird, in der der Sachverstand besorgter Bürger nicht mehr zählt. Das finden wir sehr schade.“

„SARIA-STAU VON MARL BIS UNGARN“

Die vom Unternehmenssprecher angegebenen zusätzlichen 1,2 LKW-Fahrten pro Stunde kommentiert MHNV so:

„Wir sind auf die Zahlen angewiesen, die SARIA uns nennt. Aktuelle Zahlen werden nicht mehr genannt. Unsere letzten Zahlen stammen vom Pressesprecher aus dem November 2012. Er nannte uns die Zahl von 145 Anfahrten und 145 Abfahren täglich. Jetzt sollen durch die KFU-Erweiterung laut SARIA rund 1,2 LKW pro Stunde hinzukommen. Das erhöht die täglichen Fahrten um 58 auf rund 350. Das würde im genehmigten 24-Stunden-Dauerbetrieb einem monatlichen Aufkommen von 10.500 und jährlich 126.000 LKW-Fahrten auf Marler Straßen wie der Dorstener Straße (B225), Hochstraße, Recklinghäuser Str., Schachtstraße entsprechen. Um diese Zahl zu verdeutlichen: Sollte das Fahrzeug-Jahresaufkommen tatsächlich so hoch sein und würde man die Fahrzeuge Stoßstange an Stoßstange aufreihen, ergäbe das einen SARIA-Dauerstau von mindestens 1.260 Km Länge. Die LKW-Blechlawine würde also von Marl bis zu unserer Partnerstadt Bitterfeld und von dort weiter bis zu unseren Freunden im ungarischen Zalaegerszeg reichen.“

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