MHNV reißt Geduldsfaden mit SARIA

  • Monatelang schon ist die modernste Anlage der SARIA-Sarval in Marl an der Rennbachstraße stillgelegt.
  • Anlage kann Genehmigungsauflagen des Kreises RE nicht erfüllen.
  • Geruchsbeschwerden von „alter Knochenlinie 1“ haben wieder deutlich zugenommen
  • Anwohnerinitiative MHNV bittet um zeitnahes Informationsgespräch
  • Gesprächstermin laut SARIA frühestens KW 45/46 möglich
  • SARIA will Bürgerfragen schriftlich

Darum haben wir heute Abend  (13. Oktober 2016) der Firma SARIA-Sarval geantwortet und sie aufgefordert, dass schonmal die technischen Unzulänglichkeiten auch der Politik, den Bürgern und der Presse mitgeteilt werden.


 

Sehr geehrter Herr Deitert,

wir schreiben Ihnen als Anwohnerinitiative für Umweltschutz und Lebensqualität und sind sehr enttäuscht davon, dass Sie (Firma SARIA-Sarval) als Zustandsstörer und Verursacher von aktuellem Gestank und Bränden vor unserer Haustür in Alt-Marl und Marl-Frentrop offenbar nicht bereit sind, uns Anwohnern auf dem kurzen Dienstweg Informationen aus erster Hand über die Probleme in Ihrem Unternehmen zu geben, die Auswirkungen auf unsere Lebensqualität haben.

Uns reißt jetzt der Geduldsfaden, so dass wir auch die Presse, die Politik und die Behörden über die unhaltbaren Zustände in Ihrem Unternehmen, die bislang nicht groß an die Öffentlichkeit kommen, und die bedauerliche schlechte Informationspolitik informieren. Daher leiten wir diesen Brief an entsprechende Stellen weiter. Es ist traurig, dass Bürger so von Ihrem Unternehmen hingehalten und behandelt werden und wir uns immer wieder hilfesuchend an die Politik wenden müssen.

Erst am Mittwochnachmittag verwies uns der Bürgermeister der Stadt Marl, Herr Arndt, in der Fragestunde im Stadtplanungsausschuss an Sie, um Informationen zu aktuellen Fragen direkt mit Ihnen zu klären.

Das haben wir seit Wochen vor, Herr Deitert.

Wir haben Sie vor zwei Wochen gebeten, entweder persönlich oder mit einem Vertreter an unserem Offenen Info-Stammtisch am 4. Oktober teilzunehmen. Das machen wir übrigens schon seit 2013, jedoch kam bislang noch niemand von Ihrem Unternehmen. Sie hatten abgesagt und einen anderen Termin in Aussicht gestellt, doch diese Termine sind jetzt noch mindestens vier Wochen weit weg.

Obwohl wir Sie dringend um einen zeitnahen Termin gebeten und sogar verschiedene Terminvorschläge unterbreitet haben, mit der Bitte wegen der Dringlichkeit der Problematik die Terminfindung noch vor den Herbstferien mit uns zu regeln, wirkt das jetzt wieder wie „auf Zeit spielen.“

Tatsächlich hat Ihre Unternehmensgruppe am Standort einen großen Silobehälter beantragt, zu dem die Stadt Marl noch in den nächsten Tagen eine positive Stellungnahme abgeben muss, damit der Kreis Recklinghausen die Genehmigung erteilen kann.

Wäre Ihnen daher ein schnelles Treffen zurzeit unpassend?
Ist das vielleicht auch der Grund, warum Sie von uns die Fragen vorab schriftlich verlangen?

Herr Deitert, warum haben Sie und Ihr Unternehmen nichts aus der katastrophalen Informationspolitik der vergangenen vier Jahre gelernt?

Sie sind angesichts der technischen Probleme bei SARIA-Sarval nicht in der luxuriösen Situation, erst dann zu informieren, wann es Ihnen in den Kram passt. Wir sehen ganz klar, dass das Informationsbedürfnis der Bürger Vorrang hat und strategische Kommunikationsziele Ihres Unternehmen nachrangig sind.

Leider entsteht so mal wieder der Eindruck, dass die gewünschte transparente Information von Ihrer Seite möglichst weit nach hinten geschoben werden soll. Und hier scheint tatsächlich das Hauptproblem zu sein: Sie wissen überhaupt nicht, wie Sie die technischen Störungen bei SARIA-Sarval in den Griff bekommen können.

Wir erwarten wenigstens eine öffentliche Information der Presse und der Politiker in den Ausschüssen der Stadt Marl und des Rates:

Bitte informieren Sie die Öffentlichkeit und Presse sowie Politik darüber, dass die erst 2012 genehmigte „Zweite Knochenlinie“ der SARIA-Sarval seit acht Wochen stillgelegt ist. Der Grund dafür ist ja laut der Experten des Kreises Recklingasuen die „Selbstentzündung“ des Aktivkohlefilters Anfang August 2016.

Dass der Filter zwei Stunden brannte, war bislang lediglich eine kleine Fußnote in der Tageszeitung. Doch dass die Auswirkungen so gravierend sind, dass die modernste Produktionsstraße des größten Unternehmensteils SARIA-Sarval am Standort seit Monaten stillgelegt ist, sollte endlich an die Öffentlichkeit.

Wenn Sie ehrlich sind, ist in den vergangenen Jahren bei SARIA-Sarval im Hinblick auf die Behebung von Problemen bei den Abluft- und Reinigungssystemen alles schief gelaufen, was schieflaufen konnte; das haben uns selbst  gut informierte Kreise bestätigt.

Das ist ein Schlag ins Gesicht der Bürger:

Jahrelanger Gestank mit weit über Tausend Beschwerden über ekelhaften Gestank bei Immissionsschutz des Kreises Recklinghausen, Landesumweltamt und Bezirksregierung Münster mündeten in ein Geruchsgutachten. Es zeigte, dass Ihr Unternehmen aufwändig technisch nachrüsten musste und zusätzlich nur unter der Auflage eines Aktivkohlefilters betrieben werden darf.

Dass dieser Filter nun durch eine „Selbstentzündung“ in Brand geriet und damit die Genehmigungsauflage nun seit Anfang August 2016 nicht mehr erfüllt werden kann, ist eine Tragödie für SARIA-Sarval UND für uns als Anwohner: Denn der Aktivkohlefilter funktionierte so gut, dass die Geruchsbelästigungen für uns deutlich abnahmen.

Bitte informieren Sie die Öffentlichkeit, die Presse und die Politik auch darüber, dass die Gestanksproblematik seit August auch wieder deutlich zugenommen hat.

Woran liegt das, wenn die „Zweite Knochenlinie“ seit August abgeschaltet ist?

Wir führen das darauf zurück, dass die weiter bestehende „alte“ Knochenlinie zu unserer Verwunderung überhaupt nicht an ein effektives Aktivkohlefiltersystem angeschlossen ist.
Außerdem ist ja davon auszugehen, dass seit der behördlichen Stilllegung der 2. Knochenlinie der SARIA-Sarval in Marl die erste „alte“ Knochenlinie unter Voll-Last läuft und daher auch die Filtersysteme des Biofilters an ihre Grenzen kommen oder sogar versagen. Wie sonst ist es zu erklären, dass die Zahl der Geruchsbeschwerden sich in den vergangenen Wochen (als der Wind Richtung Siedlung Riegefeld in Alt-Marl stand) so deutlich angestiegen ist?
Die Zunahme der Beschwerden  werden von Kreis Recklinghausen, Landesumweltamt und Bezirksregierung Münster bestätigt.

Sehr geehrter Herr Deitert, Ihr Unternehmen verarbeitete bislang täglich mehr als 200 Tonnen geruchsintensive Schlachtabfälle wie Blut, Knorpel, Klauen, Knochen und Fett. Dass dabei Gerüche auftreten, liegt auf der Hand. Dass Sie aber die Gerüche nicht in den Griff bekommen und Gespräche mit Anwohnern auf die lange Bank schieben, ist eine Frechheit! Wieviel dieses Materials verarbeiten Sie zurzeit in der „1. Knochenlinie“?

Wir erwarten eine Information der Öffentlichkeit, der Politik und der Presse über die aktuellen Probleme sowie betrieblichen Einschränkungen sowie welche Pläne sie aktuell haben, die Probleme zu beheben.

Bitte geben Sie uns eine Eingangsbestätigung unserer Mail und teilen Sie uns mit, bis wann wir mit einer Reaktion rechnen können.

Mit freundlichen Grüssen

„MHNV“ – Anwohnerinitiative für Umweltschutz und Lebensqualität in Marl

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