Marler Bürger reagieren auf SARIA-Brief

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Antwort der Anwohnerinitiative für Lebensqualität in Alt-Marl, Frentrop und Polsum an den Pressesprecher der SARIA-Gruppe, Marcel Derichs. (13. Oktober 2013). 

Sehr geehrter Herr Derichs,

vielen Dank für Ihre Antwort. Ihre Mail wirft allerdings zwei Fragen auf, auf die wir hiermit kurz eingehen möchten. Sie unterstellen uns eine „Intention jeden Vorfall zu dramatisieren.“ Das weisen wir ausdrücklich von uns.

Wir reagieren lediglich auf Medienberichte und Beobachtungen von Anwohnern, die sehen, dass Feuerwehrfahrzeuge auf Ihr Werksgelände fahren. Weitergehende Informationen waren von Ihrer SARIA-Anwohner-Hotline ja nicht zu erhalten.

Was, bitte schön, sollen Anwohner denn dann annehmen, wenn nicht einen Notfall?

Wir fordern Sie seit zwei Jahren auf, sich in die Situation von Anwohnern zu versetzen, vor dessen Haustür Sie Ihr Werk erweitert haben und noch weiter erweitern wollen. Da Sie die Anwohner bislang nicht mitnehmen und selbst bei Zwischenfällen nicht oder erst nach öffentlichem Druck informieren, sollten Sie den Fehler selbstkritisch bei sich suchen.

Wir erwarten nach Ihren Fehlern der Vergangenheit endlich, dass bei einem Zwischenfall immer die Anwohner ZEITNAH und VOLLSTÄNDIG informiert werden, ganz besonders wenn sich Fahrzeuge der Feuerwehr auf ihrem Gelände befinden. Bitte bedenken Sie, dass es Anwohner gibt, die auch direkte Einsicht auf das Firmengelände haben.

Leider sind Sie in Ihrer Antwort nicht auf die von uns thematisierte SARIA-Anwohner-Hotline zu sprechen gekommen. Hier erlauben wir uns noch einen weiteren Vorschlag: Wäre es nicht sinnvoll, dass die jeweiligen Mitarbeiter über aktuelle Zwischenfälle informiert werden, damit betroffene Anrufer direkt eine Antwort erhalten können?

— mit freundlichen Grüßen „MHNV“ – Anwohnerinitiative für bleibende Lebensqualität in Marl


 

Antwort der Firma SARIA auf unser Schreiben von Sonntag, 12. Oktober 2014. 

> Sehr geehrte Herren,
>
> Ihre Intention, jeden Vorgang zu dramatisieren, kann ich nicht
> nachvollziehen. Von einem Notfall kann nun wirklich keine Rede sein.
> Gerne erläutere ich Ihnen die näheren Hintergründe in Bezug auf
> Ihre Anfrage:
>
>    * Bevor das Abwasser unseres Betriebes in der Kläranlage gereinigt
> wird, wird es in einem Behälter gesammelt. Da dieser Behälter
> Bestandteil der Kläranlage ist, steht er naturgemäß nicht in unser
> Annahmehalle und es handelt sich dabei ja um Abwasser und nicht um
> Inputmaterial zur Erzeugung von Biogas.
>    * Üblicherweise wird ab einem bestimmten Abwasser-Pegelstand kein
> weiteres Abwasser mehr in den Behälter gepumpt. Am Samstag hat diese
> Abschaltautomatik nicht wie üblich funktioniert, so dass über diesen
> Pegelstand hinaus weiter Abwasser in den Behälter gepumpt wurde, dass
> dann schließlich durch ein Rohr auf das Dach des Behälters gelaufen
> ist, wo es sich aufgrund einer umlaufenden Aufkantung gesammelt hat.
> Das ungereinigte Abwasser auf dem Dach des Behälters war auch der
> Grund für die Geruchsbelästigung.
>    * Die Überfüllung des Behälters wurden von den Mitarbeitern vor
> Ort sehr schnell bemerkt, und das Abpumpen des Abwassers wurde in die
> Wege geleitet. Als die Feuerwehr, die ja auch nicht von uns
> eingeschaltet worden ist, kam, haben unsere Mitarbeiter die Situation
> und die getroffenen Maßnahmen erläutert, und nach rund 15 Minuten
> ist die Feuerwehr wieder gefahren. Das Volumen des Abwassers, das von
> dem Dach des Behälters seitlich am Rand nach unten gelaufen ist, war
> so gering, dass unten auf dem Betonring rings um den Behälter nur
> kleine Pfützen zu sehen waren. Auch das spricht für eine schnelles
> Reagieren unserer Mitarbeiter.
>
> Wir haben bereits prüfen lassen, ob und in welcher Form das
> Schotterbeet rund um den Behälter gereinigt werden muss. Aufgrund des
> sehr geringen Volumens des Abwassers, das seitlich an dem Rand der
> Behälters nach unten gelaufen ist, ist das nicht notwendig.
> Soweit gerne also die sachlichen Informationen zu diesem Vorgang. Hier
> kann man aber angesichts der oben geschilderten Punkte sicher nicht
> von einem Notfall sprechen.
>
>  Viele Grüße
>
>  Marcel Derichs
>  – Unternehmenskommunikation –
>
>  SARIA A/S GmbH & Co. KG
>  Werner Straße 95
>  59379 Selm


 

Schreiben der Anwohnerinitiative MHNV an den Pressesprecher der Firma SARIA vom 12. Oktober 2014. 

 

Sehr geehrter Herr Derichs,

wir schreiben Sie an als Anwohner Ihres Standorts in Marl und  Anwohnerinitiative MHNV und fordern Sie auf den aktuellen Störfall bei Ihrer Tochterfirma ReFood aufzuklären, über den die Marler Zeitung in ihrer Online-Ausgabe berichtet:

http://www.marler-zeitung.de/staedte/marl/45768-Frentrop~/Vorratsbehaelter-in-Biogas-Anlage-uebergelaufen-Anwohner-klagen-ueber-Gestank;art996,1407724

Vorab ist es uns nicht gelungen bei der Anwohner-Hotline der Firma SARIA  weitere Informationen zu bekommen. Ganz im Gegenteil, die Mitarbeiterin  wußte nichts von dem Feuerwehreinsatz und wollte stattdessen Infos von uns. Es kann nicht sein, dass der Rethmann/SARIA-/SARVAL/ReFood-Konzern erneut die Anwohner im Dunkeln lässt, Herr Derichs. Uns wurde die Bitte nach der Nennung der bei Notfällen zuständigen Ansprechpartner in Ihrem Hause verwehrt und auch keine Telefonnummer herausgegeben. Ihre Hotline-Kollegin behauptete, die Hotline sei nur für Notfälle da (das
war übrigens einer!), außerdem sei die Hotline nur bei Geruchs- und
Lärmbeschwerden zuständig, ferner sei Wochenende und wir sollten am
Montag zu den regulären Arbeitszeiten erneut anrufen.

Herr Derichs, dass Störfälle wie in diesem Fall auch vor Wochenenden keinen Halt machen, mussten wir Anwohner allein in den vergangenen zwei Jahren mindestens 3x durch Feuerwehreinsätze miterleben. Wir fordern Sie erneut auf endlich zu handeln, das Informationsbedürfnis der Anwohner endlich zu respektieren und diese katastrophale Informationspolik zu beenden. Wir erwarten hierzu Ihre Stellungnahme.

Bitte beantworten Sie auch zum aktuellen Störfall unsere Fragen:
>
Wie kann es sein, dass ein Lagerbehälter außerhalb der Annahmehalle seinen Standort hat? Es heißt doch immer, dass Geruchsbelästigungen im Umfeld der Anlagen von ReFood ausgeschlossen werden können, weil der Input in einer abgeschlossenen Halle mit Absaugung „gehandelt“ wird.

Wie kann es überhaupt zu einer Leckage bei Behältern kommen? Werden
diese nicht regelmäßig überprüft?

Wie lange hat es gedauert vom Austritt der Substanz bis zur Wahrnehmung durch die Mitarbeiter? Oder haben überhaupt erst die Beschwerden von Anwohnern über Geruchsbelästigungen zur Entdeckung dieses Störfalls geführt?

Was wird unternommen, um derartige Vorkommnisse künftig zu vermeiden?
Bitte geben Sie uns eine kurze Info, bis wann wir mit der Beantwortung unserer Fragen rechnen können.


mit freundlichen Grüßen
„MHNV“ – Anwohnerinitiative für bleibende Lebensqualität in Marl
Dietmar Müller-Bonner, Von-Menzel-Str. 30a, 45768 Marl
Ralf Neumann, Auf dem Anschuß 13, 45768 Marl
Ludger Vortmann, Schachtstr. 294, 45768 Marl
www.mhnv.de

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